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Warum sind Dispozinsen so hoch?

Aufdruck Kostenfalle

Fast jeder Bankkunde hat in der heutigen Zeit einen Dispositionskredit. Wird dieser in Anspruch genommen, fallen dafür natürlich Sollzinsen an. Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen werden für die Höhe der Sollzinsen auf Dispositionskrediten allerdings immer wieder kritisiert. Vor allem für Verbraucher ist nicht nachvollziehbar, auf welcher Grundlage Kreditinstitute hohe Sollzinsen für eingeräumte Kreditlinien berechnen. Der nachfolgende Artikel verdeutlicht daher auf der einen Seite, welche geschäftspolitische Bedeutung ein eingeräumter Dispositionskredit für Banken hat. Auf der anderen Seite wird erläutert, welcher Nutzen der Dispo für Kunden mit sich bringt. Dabei wird der Frage nachgegangen, warum Dispositionskredite so teuer sind. Von besonderem Interesse ist, ob die Höhe der Zinssätze gerechtfertigt ist. Gleichzeitig wird aufgezeigt, welche Auswirkungen die teuren Dispokredite für Kunden haben, die ihr Konto regelmäßig überziehen. Letztlich werden Alternativen zum teuren Dispositionskredit aufgezeigt, die helfen können, die hohen Kosten zu senken.

Wesen des Dispositionskredits und seine geschäftspolitische Bedeutung für Banken

Beim Dispositionskredit handelt es sich um eine auf dem Girokonto eingeräumte Kreditlinie. Kunden von Banken und Finanzdienstleistungsunternehmen können ihr Konto bis zu dieser eingeräumten Kreditlinie überziehen. Sie haben bis zum vergebenen Limit volle Flexibilität in Bezug auf die Verfügungsmöglichkeiten. Weiterhin besteht keine feste Rückzahlungsvereinbarung. Wird der Dispositionskredit in Anspruch genommen, so kann eine Bank also nicht einfach auf die sofortige und komplette Rückzahlung bzw. die Rückführung in Teilraten bestehen. Die Einräumung des Dispositionskredites erfolgt eigentlich zur gelegentlichen Inanspruchnahme. Auf diese Weise sollen kurzfristig finanzielle Engpässe überbrückt werden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die Kreditlinien häufig regelmäßig und dauerhaft in Anspruch genommen werden. Die Berechnung der Zinsen erfolgt jedoch immer nur für den tatsächlich in Anspruch genommenen Betrag. Wird ein Girokonto über das Kreditlimit hinaus überzogen, so handelt es sich dabei nicht mehr um einen Dispositionskredit. Banken bezeichnen diese Überziehung dann also geduldete Überziehung. Beim Dispositionskredit dagegen wird von einer genehmigten Überziehung gesprochen.

Kunden haben jedoch keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Dispositionskredit. Das bedeutet, dass die Banken frei entscheiden können, ob sie ihren Kunden einen Dispositionskredit einräumen. Aus geschäftspolitischer Sicht ist die Einräumung jedoch sinnvoll. Dispositionskredite stellen für Finanzdienstleistungsunternehmen nämlich ein wichtiges Geschäftsfeld dar. Würde eine Bank auf die Einräumung verzichten, hätte das Folgen für die Wettbewerbsfähigkeit. Viele der Kunden würden sich vom Institut abwenden und zu Mitbewerbern wechseln. Dispositionskredite können in diesem Zusammenhang als Instrument der Kundenbindung angesehen werden. Ein größerer geschäftspolitischer Nutzen resultiert jedoch zweifelsfrei aus den Erträgen, die durch die eingeräumten Kreditlinien generiert werden.

Banken erwirtschaften ihre Gewinne zum größten Teil aus zwei Bilanzpositionen.

  • Auf der einen Seite sind das die Provisionserträge
  • und auf der anderen Seite die Zinserträge.

Diese beiden Ertragspositionen unterliegen Schwankungen durch Entwicklungen am Geld- und Kapitalmarkt. Vor allem die Höhe der Leitzinsen hat große Auswirkungen auf die Zinserträge.

Genau an diesem Punkt wird in der breiten Öffentlichkeit und auch in den Medien eine kontroverse Diskussion geführt. Kunden, Verbraucherschützer und auch Vertreter aus den politischen Parteien kritisieren Banken für die Höhe der Sollzinsen der Dispositionskredite. Die Diskussion wird vermehrt dann geführt, wenn die Zinsen am Geld- und Kapitalmarkt niedrig sind. Dann müssten die Banken nämlich auch die Zinssätze für Dispokredite senken. Doch das tun sie häufig nicht. Die Kreditinstitute argumentieren in diesem Zusammenhang häufig mit der Erziehungs- und Abschreckungsfunktion, die die Höhe der Zinsen hat. So sollen die Kunden gerade durch die sehr hohen Zinssätze davon abgehalten werden, ihr Konto immer weiter zu überziehen. Diese Argumentation kann allerdings angezweifelt werden. Vielen Bankkunden ist die genaue Höhe der Sollzinssätze nämlich gar nicht bekannt. Außerdem sind die Kunden, die ihr Konto regelmäßig überziehen, häufig auf den Dispositionskredit angewiesen. Nicht zuletzt kann das Argument auch daher als zweifelhaft bezeichnet werden, weil die wenigsten Banken ihren Kunden aktiv Alternativen aufzeigen, um den Dispositionskredit umzuschulden. Wird der Dispositionskredit nämlich umgeschuldet und anschließend stark reduziert oder komplett gestrichen, hilft das den Kunden viel mehr weiter. Daher ist fraglich, ob die hohen Zinsen wirklich ein gutes Instrument sind, um die Kunden von Überziehungen und somit Überschuldungen abzuhalten bzw. abzuschrecken.

Aus geschäftspolitischer Sicht gibt es jedoch einige Faktoren, die die Höhe der Zinssätze der Dispositionskredite rechtfertigen. Die Tatsache, dass den Kunden ein flexibler Verfügungsrahmen zur Verfügung gestellt wird, den sie bei Bedarf nutzen können, ist für Banken mit sehr hohen Kosten verbunden. Kreditinstitute müssen dieses Geld nämlich immer zur Verfügung stellen können.

Ein Rechenbeispiel

Zwei Ordnerhefter mit Aufschrift Einnahmen, Ausgaben

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht die Problematik. Hat ein Kreditinstitut seinen Kunden Kreditlinien in Höhe von 5.000.000,00 EUR eingeräumt, so kann es sein, dass in der Praxis nicht die komplette Höhe in Anspruch genommen wird. Dennoch muss das Institut davon ausgehen, dass seine Kunden über das Geld jederzeit verfügen können. Es muss also immer Geld in dieser Höhe auszahlen können. Diese Tatsache kostet die Banken sehr viel Geld, denn sie können mit dem Kapital nicht arbeiten und keine Erträge erwirtschaften. Da die Inanspruchnahme auf den Girokonten hohen Schwankungen unterliegt, entstehen für die Überlassung der Option, das Konto zu überziehen, demnach hohe Kosten. Darüber hinaus müssen die Finanzdienstleistungsunternehmen die eingeräumten Kreditlinien komplett mit Eigenkapital unterlegen. Entsprechende gesetzliche Vorgaben verpflichten die Institute dazu. Die Kosten für Eigenkapital liegen jedoch deutlich über den Zinssätzen am Geld- und Kapitalmarkt. Die Aufwendungen, die allein für die Bereitstellung des Geldes entstehen, sind dementsprechend hoch.

Zu diesen Kosten müssen nun noch Verwaltungs- und Risikokosten addiert werden. Jeder Dispositionskredit bedeutet für Banken, dass sie hohe Verwaltungskosten haben. Die Kreditlinie muss eingeräumt und überwacht werden. Dafür sind teilweise umfangreiche Kreditwürdigkeitsprüfungen erforderlich. Entsprechende Prüfungsverfahren werden von den Kundenberatern und Mitarbeitern in den internen Abteilungen von Banken durchgeführt. Dazu kommen Aufwendungen, die im Rahmen der Mahnverfahren entstehen, wenn Kunden ihre Dispositionskredite nicht ordnungsgemäß zurückzahlen bzw. im Limit führen.

Zuletzt stellen aber vor allem die Risikokosten für Kreditinstitute einen großen Aufwand dar. In der Praxis zeigt sich nämlich, dass einige Kunden ihre eingeräumten Kreditlinien nicht zurückzahlen können. Das Geld muss von den Banken dann häufig abgeschrieben werden, weil Dispositionskredite in den meisten Fällen blanko vergeben werden. Blanko bedeutet, dass Banken auf Sicherheiten verzichten, wenn sie die Kreditlinien einräumen. Kreditinstitute müssen aus diesem Grund Wertberichtigungen auf einzelne Forderungen und sogar pauschale Wertberichtigungen auf ihre gesamten Forderungen durchführen. Diese Wertberichtigungen mindern als Aufwand den Gewinn.

Werden die vorgenannten Aufwendungen nun addiert, so ergibt sich dadurch eine hohe Belastung für Banken. Diese Belastung, die den Gewinn vermindert, wird auf jedes einzelne Kundengeschäft umgelegt. Somit ergibt sich der Zinssatz für Dispositionskredite aus verschiedenen Kostenpunkten, die teilweise sehr hoch sind. Der hohe Zinssatz hat somit teilweise seine Berechtigung. Würden Banken die Zinsen für Dispositionskredite deutlich senken, so hätte das gravierende Folgen für die Gewinn- und Verlustrechnung. Dieser Sachverhalt findet in der Diskussion der breiten Öffentlichkeit jedoch meistens keine Beachtung. Vielen Kunden sind die hohen Kosten, die durch die Einräumung und Verwaltung der Dispositionskredite verursacht werden, auch gar nicht bewusst. Das ist jedoch nicht verwunderlich, da die Bedeutung eines Dispositionskredites für Kunden von der Bedeutung für Banken enorm abweicht.

Die Bedeutung des Dispositionskredits für Bankkunden, Handlungsempfehlungen und kostengünstige Alternativen zur eingeräumten Kreditlinie

Die Bedeutung des Dispositionskredits für Bankkunden unterscheidet sich grundlegend von der Bedeutung, die die Kreditlinie für Banken hat. Verbraucher lassen sich einen Dispo einrichten, um flexibel das Konto überziehen zu können. Sie profitieren also von einem finanziellen Handlungsspielraum. Da der Kredit in der Regel unbefristet und ohne feste Rückzahlungsvereinbarung eingeräumt wird, müssen sich Verbraucher bei kurzfristigen Finanzierungswünschen nicht an ihren Berater wenden und um langfristige Darlehen bitten. Bankkunden nehmen den Kontokorrentkredit im Normalfall außerdem nicht aus Kostengründen in Anspruch. In der Praxis zeigt sich weiterhin, dass der Dispositionskredit langfristig ausgeschöpft wird. Die Einräumung erfolgt eigentlich aus dem Grund, ihn für kurzfristige Liquiditätsprobleme zu nutzen.

Das Problem an dieser Vorgehensweise ist, dass der Dispositionskredit somit schnell zu einer teuren finanziellen Belastung wird. Die Zinsen, die für die Nutzung des Dispos anfallen, werden dem Girokonto belastet. Kunden geraten durch die regelmäßige Ausnutzung des Kreditrahmens schnell an ihr Kreditlimit und geraten in die Schuldenfalle. Das geschieht oft unbemerkt und über mehrere Monate oder Jahre. Ist das Kreditlimit erreicht, erhöhen die Banken dieses häufig gerne, um noch mehr Zinsen zu erwirtschaften. Aus diesem Grund sollten Verbraucher, die ihren Dispo regelmäßig ganz oder teilweise in Anspruch nehmen, entsprechende Maßnahmen ergreifen, um die Kosten zu senken. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die gegen die hohen Dispozinsen ergriffen werden können.

Alternativen zu teuren Dispositionskrediten

Hand wirft Euroschein in die Luft

Natürlich steht an erster Stelle die Möglichkeit, mit den Banken über die Höhe der Zinssätze auf dem Dispositionskredit zu verhandeln. Die Zinssätze sind nämlich veränderbar. Wer geschickt verhandelt, kann den Zinssatz tatsächlich um ein paar Prozentpunkte senken. Das gelingt allerdings den wenigsten Kunden. Außerdem sind die meisten Kunden in keiner guten Verhandlungsposition, da sie auf die Kreditlinie angewiesen sind und sich somit in einer Art Abhängigkeitsverhältnis befinden. Daher sollten betroffene Kunden alternative Möglichkeiten in Erwägung ziehen, um die Dispozinsen langfristig zu senken.

Verbraucher, die die Dispozinsen reduzieren möchten, sollten daher versuchen, die Inanspruchnahme auf dem Girokonto langfristig zu reduzieren. Dafür ist die Analyse der eigenen Kontonutzung unerlässlich. Es ist beispielsweise sehr hilfreich, einen Haushaltsplaner einzusetzen, um sich einen Überblick über alle Einnahmen und Ausgaben zu verschaffen. Auf diese Weise können die monatlichen Ausgaben reduziert werden. Wird die Inanspruchnahme auf dem Dispositionskredit zurückgeführt, so reduzieren sich auch die Zinsen. Die Ersparnis kann dann zur weiteren Rückführung des Dispos eingesetzt werden. Viele Banken bieten ihren Kunden eine automatische Reduzierung des Dispokredits an. Die Kreditlinie wird dann monatlich beispielsweise um 100,00 EUR gekürzt. Ein Haushaltsplaner kann außerdem dabei helfen, das Konto nach der Rückführung der Kreditlinie langfristig im Haben zu führen.

Eine weitere Möglichkeit, die Dispozinsen zu senken, besteht in der Umschuldung des Girokontos. Bei einer Umschuldung wird der bestehende Dispositionskredit in ein langfristiges Ratendarlehen umgewandelt. Dieses Ratendarlehen wird dann in festen monatlichen Raten zurückgezahlt. Die Zinssätze für Ratenkredite liegen dabei deutlich unter denen der Dispositionskredite. Außerdem ist der Zinssatz beim Ratenkredit in der Regel festgeschrieben. Zinssätze für Dispositionskredite sind dagegen variabel. Wird der Dispositions- in einen Ratenkredit umgeschuldet, sollte die Kreditlinie auf dem Girokonto allerdings reduziert oder ganz gelöscht werden. Es besteht nämlich sonst die Gefahr, dass zusätzlich zum Ratenkredit neue Schulden auf dem Dispositionskredit angehäuft werden. Nach einer Umschuldung sollte das Girokonto im Haben geführt werden. Diese Vorgehensweise reduziert die Kosten und sorgt für eine bessere Übersicht über die finanziellen Verhältnisse auf dem Konto. Es bietet sich weiterhin die Umschuldung in einen Rahmenkredit an. Auch hier erfolgt in der Regel eine geringe monatliche Rückführung, die allerdings mit der Bank vereinbart werden kann. Die Zinsen des Rahmenkredits liegen aber häufig über denen eines normalen Ratenkredits. Dennoch ist der Rahmenkredit eine günstige Alternative zum Dispokredit.

Eine Umschuldung ist immer dann sinnvoll, wenn sich auf dem Girokonto immer mehr Schulden anhäufen. Die Zinskosten für den Dispokredit können dann schnell reduziert werden. Allerdings ist eine Umschuldung nicht immer die beste Alternative. Wer sein Konto umschuldet, gibt nämlich in der Regel den vorher so lukrativen finanziellen Spielraum auf. Vor einer Umschuldung sollten weiterhin in jedem Fall verschiedene Kreditangebote eingeholt und miteinander verglichen werden. Kunden, die auf eine Umschuldung verzichten möchten, haben die Möglichkeit, bei einer anderen Bank ein Girokonto zu eröffnen und dort einen neuen Dispokredit aufzunehmen. Durch einen Bankwechsel lassen sich Dispozinsen sparen, wenn die Zinssätze für den Dispo bei der neuen Bank unter denen der bisherigen Bank liegen. Allerdings sollten sich Kunden diesen Schritt sehr gut überlegen. Der Wechsel der Bank ist häufig mit einem hohen Aufwand verbunden. Außerdem sind die Zinssätze für Dispokredite, wie schon angesprochen, variabel. Nach einem Bankwechsel könnte der Zinssatz für den attraktiven Dispo also schnell angehoben werden.

Empfehlung

Daher sollten Kunden ihre Möglichkeiten sehr gut abwägen und individuell entscheiden, welches die beste Möglichkeit ist, um die Dispozinsen langfristig zu reduzieren. Aus Sicht der Banken haben die hohen Zinsen für Dispositionskredite teilweise ihre Berechtigung. Dennoch besteht für Kunden immer die Möglichkeit, die Belastung durch die Zinsen zu reduzieren und auf diese Weise viel Geld zu sparen.

Bildnachweise: ©Fotolia.com -Daniel Ernst, Bernd Leitner, © Fotolia.com – vege

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